Hormone bringen das Leben in Schwung

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Mit dem Frühlingserwachen in der Natur regen sich auch im menschlichen Organismus die Gefühle: Wohlbefinden, Fröhlichkeit, Tatendrang und verstärkte Liebeslust. Ursache dafür sind nicht das ermunternde Trillern der Vögel oder die Wonne zunehmender Sonnenwärme, sondern hormonelle Umstellungen. Gaben während der kalten Jahreszeit noch die Hormone den Ton an, die für Ruhe, Schlaf und Entspannung verantwortlich sind, sorgen jetzt „Aktivitätshormone“ für den Drang nach Bewegung und Erneuerung.

Vor rund 150 Jahren stießen Wissenschaftler der Universität Göttingen zum ersten Mal im Tierversuch auf eine geheimnisvolle Substanz, die Körpervorgänge steuert. Mehr als 50 Jahre später einigten sie sich darauf, sie als „Hormon“ zu bezeichnen (griech. „horman“ = antreiben).

Heute sind mehr als 100 verschiedene Hormone bekannt und fieberhaftes Forschen von Wissenschaftlern auf der ganzen Welt führt etwa alle zwei Monate zur Entdeckung eines neuen Hormons.

Winzlinge im Organismus

Hormone sind so winzig, dass sie nicht einmal mit dem Elektronenmikroskop gesehen werden können. Im Durchschnitt befindet sich von jedem Hormon etwa ein milliardstel Gramm (0,000000001 Gramm) in einem Liter Blut. Zu Beginn der 30er Jahre benötigte der Hormonforscher und Nobelpreisträger Adolf Butenandt noch 15.000 Liter Männerurin, um darin 15 Milligramm des männlichen Hormons Androsteron nachzuweisen. In einer gigantischen Sammelaktion musste der Rohstoff aus deutschen Kasernen zusammengetragen werden. Dank moderner chemischer Nachweismethoden genügen heute bereits geringe Mengen Speichel oder Urin, um Hormone feststellen zu können.

Triebfeder des Lebens

Auch wenn Hormone noch so klein sind, haben sie auf den menschlichen Organismus enorme Auswirkungen. Ohne sie wäre kein Leben möglich, würden alle Körperabläufe aus den Fugen geraten und letztendlich stehen bleiben. Oberster Kontrolleur des Hormonhaushalts ist der Hypothalamus, eine etwa vier Gramm schwere Zusammenballung von Nervenzellen im Gehirn. Hochsensible Fühler messen dort ständig die Konzentration der Hormone im Blut und vergleichen wie ein Computer die Messergebnisse mit dem Idealzustand. Etwa alle ein bis eineinhalb Stunden gibt der Hypothalamus einen Befehl zur Regulation des Hormonhaushalts an seinen Gehilfen, die Hirnanhangdrüse. Dieses etwa walnussgroße Organ produziert daraufhin selbst Steuerhormone, die über den Blutkreislauf zu den verschiedenen Hormondrüsen des Körpers gelangen: Zirbeldrüse, Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Nieren, Nebennieren, Bauchspeicheldrüse, Hoden oder Eierstöcke und Gebärmutter. Sie werden von den Steuerhormonen dazu angeregt, ihre Hormonproduktion entweder zu drosseln oder zu verstärken. Neue Untersuchungen haben ergeben, dass geringe Hormonmengen nicht nur in den „klassischen Hormondrüsen“, sondern auch in anderen Körperteilen wie dem Magen, dem Zwölffingerdarm und einzelnen Hirnregionen hergestellt werden. Sie unterliegen ebenfalls der Befehlsgewalt der Hypophyse.

Aufgabenteilung hält den Organismus in Schwung

Jedes Hormon hat seine spezielle Aufgabe. Einige Beispiele:

  • Melatonin: Das in der Zirbeldrüse gebildete „Ruhehormon“ fördert den Schlaf. Es wird vermehrt ausgeschüttet, sobald es dunkel wird.
  • Aldosteron: Wird in der Nebennierenrinde gebildet und hält den Kalium- und Natriumspiegel im Gleichgewicht.
  • Insulin: Bei manchen Diabetikern ist zu wenig davon vorhanden. Das Bauchspeicheldrüsenhormon steuert den Zuckerabbau.
  • Adrenalin: Wird vom Nebennierenmark in Sekundenbruchteilen ausgeschüttet, sobald der Organismus unter Stress steht. Versetzt Herzschlag, Kreislauf und das Reaktionsvermögen in Alarmbereitschaft.
  • Testosteron: Produziert in den Hoden beim Mann und in den Nebennieren bei der Frau, fördert es die Liebeslust. Sorgt außerdem für den Muskelaufbau.
  • Östrogene: Mehr als 30 sehr nahe verwandte Hormone werden unter dem Oberbegriff „Östrogen“ zusammengefasst. Die in den Eierstöcken gebildeten Substanzen steuern Sexualität und Schwangerschaft der Frau.
  • Cortison: Wird in der Nebennierenrinde hergestellt und wirkt entzündungshemmend. Stabilisiert bei Stress Herz und Kreislauf, stärkt die Nerven.

Bekannt, aber unberechenbar

Ein großes Rätsel der Wissenschaft ist trotz erheblicher Forschungsfortschritte noch ungelöst: Weshalb verursacht das gleiche Hormon nicht bei jedem Menschen die selben Auswirkungen. So wurde von der amerikanischen Gesundheitsbehörde 20 jungen Männern ein Hormoncocktail verabreicht (Steroide), bis die natürliche Konzentration in ihrem Blut um das Hundertfache erhöht war. Aber anstatt übereinstimmender Symptome zeigten sich zum Teil genau entgegengerichtete Folgen der Überdosierung. Einige verspüten höchste Glücksgefühle, andere schreckliche Angst. Einige waren ruhig und gelassen, andere gereizt und aggressiv. Den Grund für die unterschiedlichen Auswirkungen vermuteten die Wissenschaftler in der Psyche. Über einen bislang verborgenen Mechanismus gelingt es der Seele, den Einfluss einzelner Hormone auf die Stimmung zu steuern. Wie das aber geschieht, muss erst noch entschlüsselt werden.

Auch an Reiseübelkeit ist ein Hormon schuld

Der Wissenschaftler Kenneth Koch vom Hershey Medical Center in Pennsylvania fand es heraus: Personen, denen es auf Reisen schlecht wird, haben das dem Hormon Vasopressin zu verdanken. Die Bewegungen des Transportmittels regen die Hirnanhangdrüse an, es verstärkt auszuschütten. Im Magen ruft die Substanz dann Übelkeit hervor.

Hormonmangel fördert die Lust auf Süßigkeiten

Professor Richard Wurtman aus Massachusetts entdeckte den Grund für Heißhunger auf Süßes bei Frauen: In ihrem Organismus ist zu wenig Serotonin vorhanden. Der Hormonmangel verursacht depressive Verstimmungen und als Folge davon die süßen Gelüste. Darüber hinaus enthält Schokolade Substanzen, die die Bildung des Hormons Phenylthylamin (PEA) anregen. Normalerweise wird es vermehrt ausgeschüttet, wenn man verliebt ist und verursacht das Gefühl, im siebten Himmel zu schweben.

Natürliches „Hormondoping“: Aromaöle speziell für Frauen

Ätherische oder aromatische Öle von Pflanzen wirken über zwei Wege auf den Organismus ein. Aufgelegt als Kompressen oder bei Massagen, dringen die Inhaltsstoffe durch die Haut in den Körper und erreichen über den Blutkreislauf die Organe oder Körperregionen, wo sie ihre Wirkung entfalten sollen.

Der zweite Weg geht über das Duftaroma, wenn zum Beispiel Öle in einer Duftlampe verdampft werden. Die Düfte werden durch die Nase an zwei Riechschleimhäute herangetragen, die – jeweils kaum größer als ein Fünfpfennigstück – in der Kuppel der Nasenhöhle liegen. Dort sitzen rund zehn Millionen Riechsinn-Nervenzellen, ausgestattet mit 80 Millionen Flimmerhärchen, die eine riesige Menge von Duftinformationen aufnehmen und verwerten können. Die Duftmoleküle werden identifiziert und wirken direkt auf Teile im Gehirn ein, die für unsere innersten Vorgänge wie Gefühle, Sexualität und das vegetative Nervensystem zuständig sind. Eine unterbewusste Reaktion wird sogar oft schon ausgelöst, ehe ein Duft bewusst wahrgenommen wird.

Als direkte Antwort auf die Duftreize kommt es im Organismus zu Hormonausschüttungen, die auf Organe oder die Stimmung einwirken. Einzelne ätherische Öle können über diesen Mechanismus ganz gezielte Reaktionen im Organismus auslösen.

Gute Erfolge auf sanfte Weise werden mit Aromaölen auch bei Frauenleiden erzielt:

  • Prämenstruelles Syndrom: Gegen die Beschwerden an den Tagen vor den Tagen – Schwellungen und Spannungsgefühl in der Brust, Abgeschlagenheit, Heißhungerattacken, Kopf- und Kreuzschmerzen, Blähungen, Verstopfung, depressive Verstimmung oder Schlafstörungen – helfen zwei Anwendungen mit Aromaölen. Für ein Körperöl geben Sie zu 100 Milliliter Weizenkeim- oder Jojobaöl 8 Tropfen Kamilleöl, 5 Tropfen Korianderöl, jeweils 3 Tropfen Geranium- und Ylang-Ylang-Öl sowie 2 Tropfen Fenchelöl. Reiben Sie vor und während der kritischen Tage einmal täglich den gesamten Körper damit ein. Badezusatz: Geben Sie auf ein Vollbad mit 36 bis 38 Grad Wassertemperatur jeweils drei Tropfen Kamille-, Geranium, Wacholder-, Majoran- und Ylang-Ylang-Öl. Bleiben Sie gute 20 Minuten in der Wanne.
  • Schmerzen und Bauchkrämpfe während der Tage: Fügen Sie zu 50 Milliliter Weizenkeim- oder Jojobaöl jeweils 5 Tropfen Kamille- und Majoranöl, 4 Tropfen Ylang-Ylang-Öl, 3 Tropfen Zypressenöl und 1 Tropfen Cistrosenöl hinzu. Die Mischung gut durchschütteln und zwei- bis dreimal täglich den Unterleib an Bauch und Rücken damit einreiben. Sind die Krämpfe sehr stark, helfen auch Kompressen. Geben Sie auf einen halben Liter kaltes Wasser 2 Tropfen Majoranöl und jeweils 1 Tropfen Kamille-, Cistrosen und Ylang-Ylang-Öl. Tauchen Sie ein Leinen- oder Baumwolltuch ein und wickeln Sie es nach dem Auswringen um den Unterleib. Geben Sie außen noch ein großes Handtuch darauf und legen Sie sich für 20 Minuten hin. Nach Bedarf mehrmals täglich anwenden.
  • Übermäßig starke Menstruationsblutung: Geben Sie auf 100 Milliliter Weizenkeim- oder Jojobaöl jeweils 20 Tropfen Zypressen- und Geraniumöl sowie 8 Tropfen Weihrauchöl. Reiben Sie bereits einige Tage vor der Periode den Unterleib an Bauch und Rücken zwei- bis dreimal täglich damit ein. Während der Tage können Sie starke Blutungen zusätzlich zu den Öleinreibungen mit diesem Bad verringern: Geben Sie auf ein lauwarmes Vollbad 4 Tropfen Zypressenöl, jeweils 2 Tropfen Weihrauch- und Geraniumöl und 1 Tropfen Rosenöl. Baden Sie einmal täglich 20 Minuten.
  • Zu schwache Blutungen: Geben Sie auf 50 Milliliter Weizenkeim- oder Jojobaöl 8 Tropfen Muskatellersalbeiöl, 6 Tropfen Myrrheöl und jeweils 2 Tropfen Koriander- und Jasminöl. Massieren Sie das Öl bereits drei bis vier Tage vor der Periode zwei- bis dreimal täglich in den Unterleib ein. Die Blutungen anregend wirkt auch dieses Bad: Träufeln Sie auf eine volle Wanne mit lauwarmem Wasser 3 Tropfen Muskatellersalbeiöl und jeweils 2 Tropfen Basilikum-, Koriander- und Thymianöl. Baden Sie vor und während der Tage einmal täglich für 15 bis 20 Minuten.
  • Unregelmäßige Periode: Regulierend auf die Zeitabstände zwischen der Menstruation wirkt diese Ölmischung: Geben Sie auf 100 Milliliter Weizenkeim- oder Jojobaöl 15 Tropfen Kamilleöl, 12 Tropfen Muskatellersalbeiöl, 8 Tropfen Geraniumöl, 6 Tropfen Korianderöl, 4 Tropfen Jasminöl, 2 Tropfen Rosenöl und 1 Tropfen Fenchelöl. Schütteln Sie vor der Anwendung die Mischung stets gut durch und massieren Sie das Öl täglich einmal in den Unterleib ein, bis die Tage regelmäßig kommen.
  • Wechseljahresbeschwerden: Müdigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen oder Hitzewallungen während der Wechseljahre lassen sich mit dieser Ölmischung lindern: Fügen Sie zu 100 Milliliter Weizenkeim- oder Jojobaöl 15 Tropfen Orangenöl, 12 Tropfen Zypressenöl, 8 Tropfen Geraniumöl, 6 Tropfen Korianderöl, 2 Tropfen Patchouliöl und 1 Tropfen Fenchelöl hinzu. Reiben Sie einmal täglich den ganzen Körper damit ein. Speziell gegen Hitzewallungen helfen diese Auflagen: Geben Sie in ein kleines Glasfläschchen (ca. 50 Milliliter Fassungsvermögen) jeweils 20 Tropfen Muskatellersalbei- und Lavendelöl, jeweils 15 Tropfen Kamille- und Geraniumöl, jeweils 10 Tropfen Zypressen- und Patchouliöl und 5 Tropfen Pfefferminzöl. Schütteln Sie das Ganze vor der Anwendung kräftig durch und geben Sie auf einen Viertelliter kaltes Wasser 3 Tropfen davon. Immer wenn Sie das Bedürfnis nach Kühlung haben, tauchen Sie zwei Waschlappen ein, wringen sie leicht aus und legen jeweils einen für fünf bis zehn Minuten auf das Gesicht und in den Nacken.

CEVAP VER

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